11.04.2017 – Espelkamp

Zukunft: Mehr illegales als legales Spiel?!

In seiner am 11. April bekannt gemachten Entscheidung, hat das Bundesverfassungsgericht den Glücksspielstaatsvertrag – mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Branche – aus dem Jahr 2012 voll bestätigt.

In seiner am 11. April bekannt gemachten Entscheidung, hat das Bundesverfassungsgericht den Glücksspielstaatsvertrag – mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Branche – aus dem Jahr 2012 voll bestätigt.

Die Spielfreude der Menschen, ob in Deutschland oder in der ganzen Welt, ist aber nicht zu bremsen und muss daher von einem verantwortungsvollen Staat und Gesetzen in geregelte Bahnen gelenkt werden.

65 Jahre gewerbliches Spiel - 10 Pfennig Einsatz in 15 Sekunden bei 10 Groschen Gewinn war seinerzeit der Rahmen. Damals waren das ungefähr durchschnittlich sechs übliche Stundenlöhne von durchschnittlich 1,20 DM, die man für dieses kleine Spiel ausgeben konnte. Heute, nach vielen Änderungen und Anpassungen in der Spielverordnung, kostet das Spiel 20 Cent in 5 Sekunden. Im Ergebnis bedeutet dies, es wird ungefähr ein halber Bruttostundenlohn im Durchschnitt pro Stunde für das Vergnügen ausgegeben. Also gemessen am Einkommen 10- bis 12-mal weniger als im Jahr 1953.

Das staatliche Glücksspiel – welches durch drei Staatsverträge (2004, 2008, 2012) sein Monopol gefestigt hat, trotz Einsprüchen des Bundesverfassungsgerichts 2006 und Einspruch des Europäischen Gerichtshofs 2010 – konnte nicht verhindern, dass die vorgegebenen Möglichkeiten für das Spiel mit und um kleines Geld von den Bürgern in Deutschland begeistert genutzt wurden. Dem Erfindergeist und dem Fleiß der Industrie ist eine moderne Spieltechnologie zu verdanken, die Spieler begeistert und zugleich die geforderte strenge Regulierung des Glücksspielmarktes in vorgeschriebener gesetzlicher Weise umsetzt.
Direkt 70.000 bis 80.000 Arbeitsplätze in der Branche – sprich Entwicklung, Herstellung und Vertrieb in Spielhallen und Gaststätten – haben dazu geführt, dass seit einigen Jahren sogar ein eigener Berufszweig für diese Branche von uns etabliert werden konnte und vom Gesetzgeber bestätigt wurde.

Der Spielfreude der Menschen entspricht unser heutiges Spielangebot, das durch die Gewerbeordnung praktisch so geregelt ist, dass keiner in kurzer Zeit größeren finanziellen Schaden erleiden kann. In der Zukunft werden wir jedoch erleben, dass das illegale Spiel – in Hinterzimmern, besonders aber auch das nicht geregelte Glücksspiel im Internet – sich stärker als je zuvor in diesen Markt drängen wird. Und ich prophezeie, hier wird wegen der Unendlichkeit des Internets und der 24 Stunden möglichen Nutzung an jedem Ort praktisch die von uns jetzt leider erzwungenerweise freigegebene Lücke genutzt werden. Arbeitsplätze und Steuern werden nicht mehr in Deutschland anfallen. Und die Gewinne bleiben irgendwo in den Taschen der illegalen Anbieter.

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hat die Absichten der Politik und die Umsetzung in Gesetzen aus dem Jahre 2012 bestätigt. Die Entwicklung der Glückspielangebote -insbesondere im Internet – hat dieses Regelwerk längst überholt. Dies wird in Teilen der Politik längst erkannt. Bleibt zu hoffen, dass dort die Erkenntnis entsprechend gewachsen ist, die von mir aufgezeigten Szenarien in vernünftiger Weise zu lösen.

Der Staatsvertrag 2012, von dem wir ganz besonders betroffen waren, hat in der Branche ganz Besonderes bewirkt:

  1. Es gab keine Expansionen mehr, die vorher als Spielhallenflut verurteilt wurde.
  2. Weit mehr als 20.000 Mitarbeiter sind seitdem intensiv geschult worden.
  3. Die Branche hat sich „zusammengerauft“ in einen Dachverband und dort beschlossen, die Qualität in den Spielstätten durch den TÜV zu kontrollieren.
  4. Des Weiteren hat die Branche einstimmig Zutrittssysteme auf biometrischer Basis beschlossen, für Menschen, die sich nicht in der Gewalt haben und verführen lassen, sich häufiger auch bei dem kleinen Spiel zu betätigen, als ihnen gut tut. Weil Sie a) keine Zeit haben oder b) auch nicht das nötige Geld.

Diese können sich, wie bei den Spielbanken schon seit langer Zeit, demnächst auf einfachste, technisch modernste Art und Weise sperren lassen, indem von ihnen ein digitales Gesichtsmuster (Templates) erstellt werden. Diese könnten zentral gespeichert werden und wie es die Branche vorgeschlagen hat, und bundesweit könnte jede Spielstätte mit biometrischer Kontrolle diese gesperrten Personen erkennen. Die Ampel am Eingang würde auf „rot“ springen und somit keinen Zutritt gewähren.

Dass die moderne Technik es auch noch schafft, das ungefähre Alter der Menschen, die in eine Spielstätte gehen, zu erkennen, ist ein weiterer positiver Nutzen dieser Technologie. Junge Menschen, die als 25 Jahre oder jünger erkannt werden, müssen dann nachweisen, dass sie schon mindestens 18 Jahre alt sind.

Also, die Welt ist in Ordnung, wenn man es so will. Wir haben gelernt, jetzt ist die Politik dran, danach zu handeln.

Der Strafstoß von 2012 ist erfolgt. Wir haben die Konsequenzen gezogen, und zwar aus fester Überzeugung. Auch wir wollten schon immer die Spreu vom Weizen trennen. Es liegt an uns, in der Zukunft im Bereich der Aufsteller nur noch Leute zuzulassen, die auch tatsächlich befähigt sind und nachweisen können, dass sie mit Recht und Ordnung diesen Beruf ausführen können.

Wenn das alles erfüllt ist, dann haben sowohl die Politik als auch das gewerbliche Spiel, die Branche und vor allen Dingen der Spielgast absolut gewonnen. Warten wir es ab, wie klug die Menschen in Deutschland sind. Ob Politik, Justiz oder die Gewerbetreibenden der Branche. Die Spielgäste haben gezeigt, was sie wollen und werden dies auch in der Zukunft nutzen.

PAUL GAUSELMANN